9 Sep. Brüssel spricht Frenglisch

In der Sendung „Europa heute“ berichtete die Brüssel-Korrespondentin an diesem Montag, dass das in offiziellen EU-Dokumenten verwendete Englisch von starken Einflüssen z. B. aus dem Französischen geprägt sei. Beispiel:  ”An agent has precised the modalities of actual English usage that can be used with reasonability by European actors and those engaged in planification.” Dieser kurze Satz enthält gleich drei falsche Wortbildungen, die allesamt Gallizisismen sind – „precise“ gibt es im Englischen nicht als Verb (im Fanzösischen ist „préciser“ soviel wie „angeben“, „nennen“, also auch nicht identisch mit dem deutschen „präzisieren“); „reasonability“ gibt es gar nicht (hier steckt vermutlich „raisonnablement“, also „vernünftigerweise“ dahinter) und „planification“ ist ebenfalls ein Direktimport aus dem Französischen. Der DLF moniert auch „agent“, was man in England im Sinne von Geheimdienstler verstünde – dem würde ich nicht folgen, denn auch Telefonisten in Call-Centern werden schon seit längerem als „agents“ bezeichnet.

Kein Wunder, dass viele Übersetzungen aus EU-Quellen, die sich in Quellen wie LINGUEE finden, seltsam hölzern und unauthentisch wirken. Eigentlich erstaunlich angesichts der Heerscharen hochqualifizierter Übersetzer, die die EU in Luxemburg beschäftigt. Vermutlich wirkt sich hier dann doch die frankophone Umgebung auf die Sprachkompetenz englischer Muttersprachler aus.

Der Originalbeitrag kann hier nachgelesen oder gehört werden:

http://europa.deutschlandfunk.de/2013/09/09/crazy-kauderwelsch/